Eine Braut gehört dazu

– oder –

 

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Keine Braut, keine Hochzeit – so einfach ist das. Also muss die hinreißende Hochzeitsausstatterin Meredith für den Millionär Adam Morgan erstmal eine Braut finden, denn Adam will ganz schnell heiraten. Nach dem ersten leidenschaftlichen Kuss, der ersten sinnlichen Nacht fällt Adam dann plötzlich ein, wen er am liebsten heiraten würde – Meredith …


  • Erscheinungstag 30.08.2023
  • ISBN / Artikelnummer 9783745753479
  • Seitenanzahl 132
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Verblüfft starrte Meredith den Mann an, der ihr an dem runden Tisch aus Mahagoni gegenübersaß und unablässig Schalen von Sonnenblumenkernen auf ihren neuen Teppich fallen ließ. Er wirkte sehr seriös in seinem teuren weißen Hemd und dem Anzug von Armani, der mindestens zweitausend Dollar gekostet haben musste. Doch trotz seines Geldes, seines guten Aussehens und seiner Bildung musste er völlig verrückt sein.

„Ich brauche wirklich eine Frau, Miss Baxter“, wiederholte er. „Ich möchte, dass Sie so schnell wie möglich eine finden. Ich stehe sehr unter Termindruck und bin bereit, eine hübsche Summe für Ihre Bemühungen zu zahlen.“ Er knackte einen weiteren Sonnenblumenkern mit seinen strahlend weißen, äußerst ebenmäßigen Zähnen.

Während sie auf das Scheckbuch starrte, mit dem er wedelte, klopfte sie unablässig mit dem Fuß auf den Teppichboden. Manche Leute kauten an den Fingernägeln oder spielten mit den Haaren, wenn sie nervös waren. Meredith tippte mit dem Fuß auf. Sie war eine ausgezeichnete Hochzeitsplanerin und stolz darauf, dass sie diesen besonderen Tag ihrer Kunden perfekt zu gestalten verstand. Doch sie war keine Zauberin oder Ehevermittlerin.

Dieser Adam Morgan brauchte keine Frau. Er brauchte einen Seelendoktor. Und mit seinen Millionen konnte er sich den besten Psychiater leisten, den Morgantown zu bieten hatte.

„Vielleicht haben Sie nicht richtig verstanden, was ich tue, Mr. Morgan. Ich richte Hochzeiten aus und bin keine Kupplerin. Best Laid Plans arrangiert gern eine Kirche und einen Festsaal für den Empfang, besorgt die Blumen, die Musik und die Verpflegung. Aber was die Braut angeht, können wir nur das Brautkleid beschaffen.“

Adam Morgan schnippte ein imaginäres Staubkörnchen von seinem makellos geschneiderten marineblauen Jackett und trommelte mit den manikürten Fingern auf den Tisch. Alles an ihm war perfekt gepflegt, von den perfekt geschnittenen, dunklen Haaren bis hin zu den auf Hochglanz polierten Lederschuhen. Sie war sicher, dass er keine gewöhnliche Unterwäsche, sondern seidene Boxershorts trug.

„Ist mit meiner Kleidung etwas nicht in Ordnung, Miss Baxter? Sie starren auf meinen Schoß.“ Adam zog eine Augenbraue hoch, doch seine Miene blieb nichts sagend. Er unterdrückte den Drang, über ihre offensichtliche Verlegenheit zu lachen. Als Rothaarige mit milchigem Teint errötete sie leicht, sodass es ihr schwer fiel, ihre Gedanken zu verbergen. Und woran sie momentan offensichtlich dachte, faszinierte ihn. Wäre seine Lage nicht so trübe gewesen, wäre er versucht gewesen, der Sache nachzugehen.

„Oh nein. Es ist alles in Ordnung.“ Meredith hoffte, dass ihr Gesicht nicht so rot wie ein Hummer war. Sie verschränkte die Finger auf dem Tisch und versuchte, geschäftsmäßig auszusehen und ihre Enttäuschung zu verbergen.

Als Morgan eine halbe Stunde zuvor in ihr Geschäft gekommen war, hatte sie ihn sofort erkannt. Sein Foto war ständig in den Zeitungen zu sehen, entweder im Finanzteil oder in den Klatschspalten. Als er verkündet hatte, dass sie eine extravagante Hochzeit für etwa tausend Gäste ausrichten sollte, war ihr beinahe schwindelig vor Vorfreude geworden. Doch seine Forderung nach einer Braut ließ darauf schließen, dass er nur scherzte oder völlig verrückt war. Der wachsende Haufen Schalen auf ihrem Fußboden deutete auf das Zweite.

Adam machte sich nicht die Mühe, seine Verärgerung zu verbergen. Er hatte keine Zeit, seine Motive zu erläutern, und pflegte es auch nicht zu tun. Die meisten, die für ihn arbeiteten, befolgten seine Instruktionen ohne Widerrede. Doch diese Rothaarige schien sehr eigensinnig zu sein.

„Ich bin mir über die Funktionen einer Hochzeitsplanerin durchaus im Klaren, Miss Baxter. Ich bin zu Ihnen gekommen, weil meine Zeit äußerst begrenzt ist. Ich habe drei Monate, um eine Braut zu finden und zu heiraten. Deswegen bin ich bereit, einen beträchtlichen Betrag für Ihre Mühe zu zahlen. Mir ist klar, dass es gewöhnlich nicht zu Ihren Aufgaben gehört, eine Braut zu finden, und ich werde Sie dementsprechend belohnen.“

Merediths Herz schlug höher. Sie konnte gewiss Geld gebrauchen. Und selbst wenn Morgan ein bisschen verrückt war, was schadete es schon? Schließlich war es sein Geld, seine Entscheidung, wenn er sich eine Frau kaufen wollte. Die Ausrichtung dieser pompösen Hochzeit würde mehr Aufträge nach sich ziehen, als sie bewältigen konnte. Die Reichen pflegten Beispielen zu folgen wie Schafe, weil sie nicht den Mumm hatten, Individualität zu zeigen. Trends wurden gesetzt, Mode diktiert und akzeptiert.

Abgesehen von Adam Morgan. Eine Hochzeit ohne eine Braut zu planen, war entschieden eine neue Idee.

„Ich nehme an, Ihre zukünftige Braut soll gewisse Kriterien erfüllen“, bemerkte sie.

Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines Jacketts und legte es auf den Tisch. „Hier ist eine Liste, die ich zusammengestellt habe. Intelligenz ist natürlich die wichtigste Eigenschaft.“

Meredith riss erstaunt die grünen Augen auf. Sie hätte auf große Brüste getippt. Wohlhabenden Männern wie Adam Morgan lag gewöhnlich mehr an Äußerlichkeiten als an inneren Werten.

Er blickte auf seine goldene Rolex und runzelte die Stirn. „Ich habe in zwanzig Minuten einen Termin mit meinem Anwalt. Ich fürchte, ich brauche sofort eine Antwort. Sonst sehe ich mich gezwungen, zu Ihrer Konkurrenz zu gehen.“

Sie musterte seine langen Finger, seine beeindruckend breiten Schultern, seinen dunklen Teint und seine Augen, die so grau wie die Regenwolken draußen waren. Unwillkürlich fragte sie sich, ob er im Bett auch so geschäftsmäßig und beherrschend war.

„Miss Baxter?“

Hastig verdrängte Meredith ihre abschweifenden Gedanken und lächelte zögernd. „Obwohl Ihr Anliegen sehr ungewöhnlich ist, nehme ich den Job an. Ich brauche eine Anzahlung von zehntausend Dollar, angesichts der Größenordnung der geplanten Hochzeit.“

„Ausgezeichnet.“ Ohne mit der Wimper zu zucken, füllte er das Scheckformular aus, stand auf und reichte es ihr. „Seien Sie morgen früh um zehn Uhr bei mir zu Hause. Dann bereiten wir die Berichterstattung vor.“

„Berichterstattung?“, hakte sie erstaunt nach.

„Der schnellste Weg, eine Braut zu finden, ist über die Medien. Sobald bekannt wird, dass ich eine Braut suche, werden Presse und Fernsehen uns sehr bereitwillig bei unserer Suche helfen. Ich beabsichtige, sie schamlos zu benutzen. Und das werden Sie auch tun.“

Sie schluckte schwer. „Das werde ich?“

„Verdammt richtig, das werden Sie. Diese Geier haben meine Familie jahrelang gehetzt und ausgenutzt. Es ist an der Zeit, es ihnen heimzuzahlen. Und darin bin ich sehr gut, das können Sie mir glauben.“

Das wilde Funkeln in seinen Augen veranlasste Meredith, es ihm zu glauben. Adam Morgan war ein Mann, der es gewohnt war, seinen Kopf durchzusetzen.

„Eine Hochzeit sollte eigentlich eine freudvolle Angelegenheit sein, Mr. Morgan. Manche Leute warten ihr Leben lang darauf, die richtige Person zu finden und sich zu verlieben. Sind Sie sicher, dass Sie die Sache gründlich durchdacht haben? Ich meine – was ist mit Liebe?“

„Sie klingen allmählich wie ein schlecht geschriebener Liebesroman, Miss Baxter.“

Sie reckte das Kinn vor. „Zufällig mag ich Liebesromane, Mr. Morgan.“

Er setzte zu einer zweifellos sarkastischen Entgegnung an, überlegte es sich dann anders und sagte stattdessen: „Ich bin nicht romantisch veranlagt. Ich habe keine Zeit für solche Dinge. Mein Vorhaben kann mit einer geschäftlichen Fusion verglichen werden. Zwei Parteien mit ähnlichen Ansichten und Interessen kommen zusammen, um eine erfolgreiche Union zum Besten der Firma oder in diesem Fall der Familie zu gründen.“

Im Stillen bemitleidete sie die arme Frau, die dumm genug war, diesen kalten, herzlosen Mann zu heiraten. „Also, um mit den unsterblichen Worten von Tina Turner zu sprechen: What’s love got to do with it?

Er blickte sie entfremdet an. „Wer ist Tina Turner?“

„Eine alte Freundin der Familie. Machen Sie sich keine Sorgen, Mr. Morgan. Ihre bevorstehende Hochzeit ist in den besten Händen.“

Er blickte hinab auf diese besten Hände und bemerkte: „Ihr Nagellack ist abgeblättert, Miss Baxter. Und Sie haben eine Laufmasche in Ihrem linken Strumpf.“

Ihre Augen verdunkelten sich vor Zorn über seine Dreistigkeit. „Vielen Dank, Sie Kretin, arroganter Neandertaler“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, doch er war bereits zur Tür hinaus und hörte es nicht mehr.

Ihr Assistent Randall kam gerade rechtzeitig aus dem Hinterzimmer, um durch das Schaufenster einen Blick auf Adam zu erhaschen. „Jemand, den ich kenne?“

Meredith unterdrückte ihren Zorn. „Adam Morgan, unser neuer Klient.“ Sie erläuterte die Details der unorthodoxen Hochzeit und wiederholte die unverschämten Bemerkungen.

Randall grinste. Mit seinen blond gebleichten Haaren, der gebräunten Haut und den strahlend blauen Augen sah Randall Cosby aus wie ein kalifornischer Strandjunge. Er war zierlich gebaut, aber muskulös. Er arbeitete halbtags für Meredith, während er an der Universität von West Virginia Jura studierte. „Der Mann hat offensichtlich einen guten Geschmack, was Frauen angeht.“

„Wie meinst du das?“

„Wenn er die Laufmasche in deinem Strumpf bemerkt hat, Süße, dann hat er deine Beine angestarrt. Und deine Beine gehören zu deinen Vorzügen.“ Er blickte hinab auf seine eigenen und verzog das Gesicht. „Meine sind einfach zu dünn und gerade. Ich bin mit Verstand und keinen Kurven gestraft.“

Meredith lachte. „Danke. Aber ich glaube nicht, dass Mr. Morgan aus einem anderen Grund auf meine Beine geschaut hat, als zu kritteln. Er ist ein Pedant. Und es wird verdammt hart sein, mit ihm zu arbeiten.“

„Aber nach dem, was ich von ihm gesehen habe, sieht er sehr gut aus und kleidet sich recht elegant.“

„Ja, das stimmt.“ Meredith seufzte. „Aber er ist zu arrogant und strukturiert für meinen Geschmack und eindeutig nicht mein Typ.“

Randall schüttelte den Kopf. „Süße, du bist viel zu wählerisch. Ich bin es auch, aber du bist viel schlimmer. Ich glaube nicht, dass es einen Mann auf Erden gibt, der deine Erwartungen erfüllen kann. Die Märchenprinzen sind sehr selten auf dieser Welt. Du wirst dich mit einem Normalsterblichen begnügen müssen, wenn wir jemals eine dieser tollen Hochzeiten für dich planen sollen.“

„Ich habe es nicht eilig damit.“

„Deine Mutter schon. Als ich sie das letzte Mal im Pflegeheim besucht habe, wollte sie wissen, ob wir zusammen gehen. Ich habe ihr gesagt, dass du nicht mein Typ bist.“ Er verdrehte die Augen und brachte Meredith erneut zum Lachen.

„Mom befürchtet, dass sie stirbt, bevor ich ihr Enkelkinder schenke, die sie verwöhnen kann. Sie versucht ständig, mich mit den Krankenpflegern zu verkuppeln.“

„Sie ist besorgt um dich, Süße. Wie wir alle.“

Sie lächelte. „Das ist gut, denn dann kann ich mich über wichtigere Dinge sorgen. Wir sollten wieder an die Arbeit gehen. Ich muss mich für das Treffen mit Morgan vorbereiten. Ich soll mich morgen um zehn in der Höhle des Löwen einfinden.“

„Nun, das klingt interessant.“

„Interessant ist nicht das richtige Wort. Widerlich und aufreizend, aber ganz bestimmt nicht interessant.“

Rechtsanwalt Peter Webber lehnte sich auf seinem gepolsterten roten Ledersessel zurück und musterte Adams ungewöhnlich erregte Miene. Da er seit zehn Jahren sein Anwalt und wesentlich länger sein bester Freund war, kannte er dessen wechselnde Stimmungen nur zu genau.

„Ich habe die Hochzeitsplanung in Auftrag gegeben, wie du vorgeschlagen hast. Wir treffen uns morgen, um die Einzelheiten zu besprechen.“

„Wie ist er denn so?“

„Er ist eine Sie. Meredith Baxter von Best Laid Plans .“

„Niedlich.“

„Na ja, sie ist recht attraktiv.“ Rothaarige hatten Adam schon immer fasziniert. Und sie besaß die hübschesten Beine, die er seit langem gesehen hatte. Ausgeprägte Waden, schlanke Fesseln. Ihm gefiel, wie ihre Wangen sich röteten, wann immer sie in Verlegenheit geriet, was anscheinend sehr häufig geschah.

„Ich meinte den Namen ihres Geschäfts.“

„Oh.“

Peter unterdrückte ein Lächeln, als Adam unruhig auf seinem Sessel umherrutschte. „Was hält Miss Baxter von deinen Plänen?“

„Danach zu urteilen, wie sie mich angestarrt hat, hält sie mich für völlig verrückt.“

„Du bist schließlich für deine Überspanntheiten bekannt, Adam. Sie scheint sehr scharfsinnig zu sein. Außerdem nehme ich an, dass du wie üblich ihren Teppich mit Schalen übersät hast, oder?“

Adam ließ die Handvoll Sonnenblumenkerne, die er gerade hervorholen wollte, wieder in seine Tasche gleiten und ignorierte die Frage. „Meredith Baxter ist jung und hoffentlich fügsam. Ich will niemanden, der jede meiner Entscheidungen in Frage stellt. Das Wichtigste für mich ist, das permanente Sorgerecht für Allisons Kinder zu bekommen. Es ist mir egal, wenn mich die ganze Welt für verrückt hält. Ich werde alles Erforderliche tun und so viel Geld ausgeben, wie nötig ist, um Andrew und Megan zu adoptieren. Ich habe es Allison versprochen.“

Und Adam brach nie ein Versprechen. Dafür war Peter der lebende Beweis. Mit vierzehn hatte er seine Eltern bei einem Autounfall verloren und war praktisch mittellos zurückgeblieben. Der fürstliche Lebenswandel der Webbers und das vornehme Haus auf dem Hügel waren nur eine Fassade für einen riesigen Schuldenberg gewesen.

Adam hatte seinen Vater überredet, das Sorgerecht für Peter zu übernehmen. Allistair Morgan war nie ein guter Ersatzvater für Peter gewesen, ebenso wenig wie ein richtiger Vater für Adam, aber er hatte die nötigen Geldmittel für das Jurastudium zur Verfügung gestellt. Natürlich nur mit der Auflage, dass Peter zum Familienanwalt der Morgans wurde.

Die Morgans beschäftigten eine ganze Schar von Anwälten und Finanzberatern, aber der kluge alte Mann hatte sich die Dienste eines Anwaltes sichern wollen, dem er bedingungslos vertrauen konnte, der auch nach seinem Tode die Interessen seiner Kinder vertreten würde. Und dieser Jemand war Peter, und er übte seine Rolle sehr hingebungsvoll aus.

„Ich bin sicher, dass Miss Baxter dich in einem anderen Licht sehen wird, wenn sie erst einmal über den Ernst deiner Lage in Kenntnis gesetzt wird“, sagte Peter schließlich.

„Die Frau ist eine Träumerin, eine Romantikerin. Außerdem interessiert es mich nicht, ob sie mein Handeln billigt oder nicht. Ich bezahle sie für die Planung und Ausführung, nicht für ihre Zustimmung oder Kritik.“

„Vielleicht schaue ich morgen mal bei dir vorbei und sehe sie mir an. Sie scheint faszinierend zu sein.“

„Sie ist nicht dein Typ, Webb. Sie ist ein Rotschopf, keine Blondine.“

Peter legte eine schelmische Miene hinauf. „Ein Rotschopf! Ich war schon immer scharf auf Rothaarige. Sie erröten so charmant, findest du nicht?“

Adam wusste nicht warum, aber aus irgendeinem Grunde ärgerte Peters Bemerkung ihn. „Ich habe keine Zeit, um über deine Vorliebe für Frauen zu diskutieren. Ich habe momentan dringendere Probleme.“

Es beunruhigte Peter, dass Adam in letzter Zeit so schlecht gelaunt war. „Vielleicht lassen sich deine Probleme eher lösen, wenn du mit einer Frau ausgehst. Wie lange ist es hier, seit du Sex hattest? Du lebst wie ein Mönch in dem Kloster, das du ein Haus nennst. Bei Lokführer Adam müsste sich inzwischen viel Dampf aufgestaut haben.“

Adams Augen funkelten zornig. Er hasste es, wegen seiner Leidenschaft für Modelleisenbahnen gehänselt zu werden. Sein Vater hatte ihn ständig wegen dieses Hobbys gequält. Und ebenso wenig gefiel es ihm, über sein nicht existierendes Liebesleben ausgefragt zu werden. „Meine sexuellen Bedürfnisse sind kein Diskussionsthema, nicht mal mit dir. Also lassen wir es fallen. Würdest du dein sexuelles Verlangen in deine Arbeit umlenken, könntest du mehr schaffen.“

„Ist es das, was du tust? Benutzt du deine Arbeit als Ersatz? Dann lass mich dir sagen, alter Kumpel, dass es nicht klappt. Eines Tages, wenn du es am wenigsten erwartest – peng! Du wirst explodieren wie ein verdammter Vulkan.“

Adam lächelte herablassend. „Welch interessante Metapher! Mir scheint, du hast mit Miss Baxter etwas gemeinsam. Sie liest gern heiße Liebesromane. Ich bin sicher, dass Vulkanausbrüche in diesen grässlichen Büchern unzählige Male benutzt werden, um den sexuellen Höhepunkt zu beschreiben.“

„Mir scheint, dass du welche lesen solltest“, entgegnete Peter. „Du könntest etwas lernen und dadurch die Liebe zumindest aus zweiter Hand erfahren, da du sie selbst nicht praktizierst.“

„Jetzt klingst du wie meine Mutter, und das ist ein großer Fehler.“

Peter war klug genug, um zu wissen, wann er zu weit gegangen war. Daher wechselte er hastig das Thema. „Wie geht es Lilah? Erforscht sie immer noch die Geheimnisse von Indien?“

Adams Mutter hatte West Virginia kurz nach dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren verlassen und war auf Reisen gegangen. Sie hatte es nicht für nötig gehalten zurückzukehren, nicht einmal zur Beerdigung ihrer einzigen Tochter, was in ihr Persönlichkeitsbild passte. Sie hatte stets sich selbst mehr geliebt als jeden anderen.

Obwohl es Adam um seiner Schwester willen verbitterte, erleichterte es ihn auch. Er hatte nicht den Wunsch, seine Mutter zu sehen, die mit ihrem theatralischen Getue womöglich die Adoption vereitelt hätte. „Ja, Gott sei Dank! Und ich hoffe, dass sie für die nächsten drei Monate dort bleibt, bis wir alles unter Dach und Fach haben.“

Peter zögerte, bevor er das nächste Thema ansprach, denn er wusste, dass es seinem Freund Kummer bereiten würde. Doch er wusste auch, dass er es nicht umgehen konnte. „Wir haben nichts von Curtis Tremayne gehört. Das Büro des Staatsanwalts hat keine neuen Anhaltspunkte über seinen Aufenthaltsort, und der Privatdetektiv, den wir angeheuert haben, hat bisher nichts herausgefunden.“

Bei der Erwähnung seines ehemaligen Schwagers funkelten Adams Augen wie Quecksilber. Er hatte Allison vor der Hochzeit mit Tremayne gewarnt, doch sie hatte nicht auf ihn gehört. Nun war sie tot. Der Schuft hatte sie grausam zusammengeschlagen und mit bloßen Händen erwürgt.

Das einzig Gute, das der Verbindung von Allison mit Curtis Tremayne entsprungen war, waren ihre Kinder, Megan und Andrew. Adam hatte ihr auf dem Sterbebett versprochen, die Kinder von Tremayne fern zu halten und sie zu adoptieren.

„Heuer mehr Detektive an. Ich will, dass dieser Kerl gefunden wird. Es ist drei Monate her, seit er meine Schwester ermordet hat. Er soll endlich dafür büßen.“

„Ich kümmere mich gleich darum. Ist sonst noch etwas?“

„Setze dich mit den Medien wegen meiner Heiratspläne in Verbindung. Du kannst dich mit Miss Baxter koordinieren. Wahrscheinlich hast du mehr Erfahrung im Umgang mit der Presse als sie. Obwohl sie wesentlich besser aussieht als du.“

Peter grinste. „Du willst eine umfassende Berichterstattung?“

Adam nickte. „Die Welt soll wissen, dass Adam Morgan eine Frau sucht.“

„Du wirst dich zur Zielscheibe für heftige Kritik machen.“

Adam zuckte die Achseln. „Der Preis ist gering genug, um die letzte Bitte meiner Schwester zu erfüllen, meinst du nicht? Und ich habe ja dich und Miss Baxter, die mir Schützenhilfe leisten.“ Endlich lächelte Adam. „Ich glaube, diese Frau ist der Herausforderung gewachsen. Wie steht es mit dir?“

2. KAPITEL

Meredith mochte sich in die Höhle des Löwen begeben, doch das einzige, was knurrte, war ihr Magen. Ihr war keine Zeit zum Frühstück geblieben. Sie zupfte den Saum ihrer dunkelblauen Kostümjacke zurecht, vergewisserte sich, dass ihre Strümpfe keine Laufmasche aufwiesen und bewunderte ihren Nagellack, der ohne jeden Makel war.

Soll er heute versuchen, etwas an mir auszusetzen zu finden, dachte sie mit einem trotzigen Lächeln.

Sie betätigte dreimal den schweren Türklopfer aus Messing, wandte sich ab und musterte die Umgebung, während sie wartete.

Das Haus stand auf einem Hügel und blickte über die Stadt. Sie musste zugeben, dass die Aussicht spektakulär war. Das Grundstück war ebenso gepflegt wie der Mann, dem es gehörte. Die riesige Rasenfläche wirkte sehr saftig und wies keinerlei Unkraut auf.

Sie war sehr froh, dass sie diese riesige Fläche nicht zu mähen hatte, und lächelte bei dem Gedanken an ihren eigenen winzigen Garten, der mehr Unkraut als Rasen aufwies, aber Blumen jeglicher Art enthielt.

Blumen waren ihre Leidenschaft. Sie fragte sich, ob Adam Morgan irgendwelche Leidenschaften hegte, natürlich abgesehen von Sonnenblumenkernen. Sie hatte fast eine Stunde gebraucht, um ihren Teppich von den Schalen zu reinigen.

Weiße und rote Begonien säumten die Auffahrt. Seufzend schüttelte Meredith den Kopf. Jeder mit einem Funken von Verstand wusste, dass es unklug war, Begonien vor Mai und somit vor dem letzten Frost zu pflanzen. Doch mit solchen trivialen Dingen gab Adam Morgan sich wahrscheinlich nicht ab. Zweifellos beschäftigte er eine ganze Armee von Gärtnern, die sich darum kümmerten.

Sie blickte auf die Uhr und stellte fest, dass es inzwischen fünf Minuten nach zehn war. Mit gerunzelter Stirn betätigte sie erneut den Türklopfer und fragte sich, warum alte Häuser niemals Klingeln aufwiesen.

Kurz darauf riss Adam Morgan persönlich die Tür auf. Er schien nicht besonders froh zu sein, sie zu sehen, und das beruhte auf Gegenseitigkeit. „Sie haben sich verspätet, Miss Baxter. Ich hasse Verspätungen. Es ist ein Zeichen von Unordnung.“

Der Vorwurf kam so unerwartet, dass ihr keine Zeit blieb, sich zu fragen, warum nicht sein Butler oder seine Zofe die Tür geöffnet hatte. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, die ihm kaum bis ans Kinn reichte, und konterte: „Zu Ihrer Information, Mr. Morgan, ich habe mich nicht verspätet. Ich stehe bereits seit vollen fünf Minuten vor dieser Tür und warte in der Kälte, dass jemand auf mein Klopfen reagiert. Und da wir gerade bei diesem Thema sind – man sollte meinen, dass sich jemand mit Ihren Mitteln eine Gegensprechanlage oder zumindest eine funktionierende Klingel leisten könnte.“

Er warf einer Handvoll Schalen von Sonnenblumenkernen in den Topf einer großen Palme neben der massiven Haustür und starrte sie an, als hätte sie den Verstand verloren. „Eine Klingel in einem zweihundert Jahre alten Haus? Etwas so Modernes würde nicht nur die Fassade verunstalten, sondern auch den hervorragenden Stein ruinieren – Stein, den mein Urgroßvater persönlich abgebaut und auf diesen Hügel geschleppt hat.“

Der leidenschaftliche Klang seiner Stimme beantwortete die Frage, die Meredith sich zuvor gestellt hatte: Das Herrenhaus war ihm ebenso wichtig wie Sonnenblumenkerne. Bewundernswert.

„Meine Haushälterin hatte einen Notfall und musste gehen. Wenn Ihnen kalt ist …“ Er starrte auf ihre Brust, so als ahnte er, dass sich ihre Knospen zusammengezogen hatten, und sie war extrem froh, dass sie eine Kostümjacke trug.

Ohne zu antworten, folgte sie ihm in die mit Walnussholz getäfelte Bibliothek. Das einzig Fröhliche in dem Raum stellte ein prasselndes Feuer im Kamin dar. Die Farben waren düster und zurückhaltend, wie der Mann selbst. Weinrote Samtgardinen passten zu den beiden antiken Stühlen, die den Kamin flankierten. In Leder gebundene Bücher auf den Regalen waren zwar hübsch anzusehen und zweifellos teuer, erhellten aber nicht die Atmosphäre.

Meredith setzte sich auf einen Stuhl mit sehr gerader Rücklehne vor dem eindrucksvollen Schreibtisch aus Mahagoni, nahm eine Mappe mit Einladungskarten und Fotos von Hochzeitstorten aus ihrem Aktenkoffer und breitete sie auf der mit Leder bezogenen Tischplatte aus. „Das sind natürlich nur Muster. Ich habe weitere, falls nichts davon Ihren Bedürfnissen entspricht.“

Was – oder besser gesagt wer – Adams Bedürfnissen entsprach, saß direkt vor ihm. Meredith Baxter mit ihrem sinnlichen Mund und ihrer bemerkenswerten Figur war eine unglaublich verführerische Frau. Und zudem war er, wie Peter so nachdrücklich erklärt hatte, seit sehr langer Zeit nicht mehr mit einer Frau zusammen gewesen.

„Sie runzeln die Stirn, Mr. Morgan. Ist etwas nicht in Ordnung? Wie gesagt, habe ich andere Muster, die ich Ihnen zeigen kann.“

Er schüttelte den Kopf und schob ihr das Material wieder zu. „Benutzen Sie einfach Ihr eigenes Urteilsvermögen, Miss Baxter. Mir ist es egal, wie der Kuchen und die Einladungen aussehen. Das sind triviale Angelegenheiten für den weiblichen Verstand.“

Meredith biss die Zähne zusammen und rief sich die zehntausend Dollar auf ihrem Bankkonto in Erinnerung.

„Ich stellte lediglich die Bedingung, dass das Datum auf Samstag, den einundzwanzigsten Juni festgesetzt wird. Lassen Sie die Einladungen sofort drucken.“

„Aber …“

„Kein Aber, Miss Baxter. Ich habe eine Frist einzuhalten.“

„Aber wie können Sie ohne Braut ein Datum für eine Hochzeit festsetzen? Gewisse Details müssen entschieden werden und …“

„Ich bin überzeugt, dass Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit für die Vorbereitungen brauchen werden. Sie haben weniger als zwölf Wochen.“

„Hochzeitspläne ohne eine Braut zu schmieden, ist das Dümmste, was ich je gehört habe. Als Sie mir Ihr lächerliches Vorhaben geschildert haben, bin ich natürlich davon ausgegangen, dass Sie beabsichtigen, zuerst die Kandidatin zu suchen und dann die Arrangements zu treffen. Ich kann keine Hochzeit ohne Braut planen. Das ist einfach nicht …“

Ohne seine Verärgerung zu zeigen, legte Adam sich wortlos auf den Fußboden neben ihrem Stuhl und vollführte in seinem teuren Designeranzug eine Reihe von Übungen.

Fassungslos sah Meredith ihm zu. „Mr. Morgan!“

„Ich kann besser denken, wenn ich mich sportlich betätige“, entgegnete er gelassen, so als würde jeder in Amerika in einem Anzug von Armani Sport treiben. „Wollen Sie mitmachen? Dadurch wird Blut in das Gehirn gepumpt.“ Außerdem erlaubte es ihm einen ausgezeichneten Blick auf lange, wohlgeformte Beine, wodurch das Blut allerdings woanders hingepumpt wurde.

Autor

Millie Criswell
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